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Honeywell, meine These

Eine Sondersituation: Ein Konzern teilt sich auf, und genau in dieser Phase verkaufen viele Fonds, ohne hinzuschauen. Warum ich das für eine Gelegenheit halte — und was dagegen spricht.

Kurs
rund 156 $
Oktober 2026
Mein Kursziel
350 $
rund +125 %
Chance zu Risiko
3 : 1
Basisszenario +50 %
Einstufung
moderat
kein Zock
🎯

Dein unfairer Vorteil

Große Fonds müssen Milliarden unterbringen und arbeiten nach festen Regeln. Eine Abspaltung haben sie sich nie ausgesucht: Sie passt oft weder in den Index noch ins Mandat und wird mechanisch verkauft — ohne dass jemand die neue Firma bewertet hätte. Nach der von Greenblatt zitierten Untersuchung schlagen Abspaltungen den Markt in den ersten drei Jahren um rund 10 % pro Jahr. Genau da bist du als Kleinanleger im Vorteil.

📚 Buchtipp: Joel Greenblatt, You Can Be a Stock Market Genius — mehr Empfehlungen in meiner Bio.

Der Chart: zu jung für eine Trendaussage

Tageschart von Honeywell Aerospace
Diese Aktie wird erst seit wenigen Monaten eigenständig gehandelt. Für eine belastbare Trendaussage ist das zu wenig Historie. Zu sehen ist der Weg vom 35-fachen des Gewinns auf ein 22-faches, ohne dass das Geschäft eingebrochen wäre. Deshalb kaufe ich hier früh in die Schwäche hinein, statt auf ein Signal zu warten, das es noch gar nicht geben kann.

Was die Firma macht

Luftfahrttechnik sowie Automatisierungs- und Gebäudetechnik — und genau diese Teile werden gerade voneinander getrennt.

Luftfahrt

Antriebe, Avionik und Hilfsaggregate. Größter Bereich. Wettbewerber: RTX, Safran, GE Aerospace.

Industrie­automatisierung

Steuerungen, Sensoren, Sicherheitstechnik, Lagerautomatisierung. Wettbewerber: Emerson, Rockwell, Zebra.

Gebäude­technik

Brandmelde- und Sicherheitsanlagen, Gebäudesoftware. Wettbewerber: Johnson Controls, Siemens, Schneider.

Das Modell: Rasierer und Klingen

Die Stärke liegt nicht im Verkauf neuer Geräte, sondern im Ersatzteil- und Wartungsgeschäft. Über die jahrzehntelange Lebensdauer eines Flugzeugs wird geliefert, gewartet und überholt — etwa dreimal so viel Umsatz wie mit neuen Produkten, und deutlich margenstärker.

Angetrieben wird das von den weltweit geflogenen Flugstunden. Sichtbar im Rekord-Auftragsbestand von 39,1 Milliarden Dollar.

Warum gerade jetzt

Aus einem Gemischtwarenladen werden Spezialisten

Der Konzern zerlegt sich in drei fokussierte Unternehmen. Die Materialsparte Solstice ist bereits abgespalten, die Trennung von Luftfahrt und Automatisierung läuft in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Ein aktivistischer Investor hat nachgeholfen

Elliott Investment Management hat Druck gemacht, ein Partner sitzt im Verwaltungsrat. Elliott selbst ist laut Pflichtmeldungen nicht mehr investiert.

Der Teil, über den kaum jemand spricht: Quanten

Auch die Quantensparte wird abgespalten. Sie hat zuletzt 600 Mio. $ eingesammelt, unter anderem von Nvidia, und wurde dabei mit 10 Mrd. $ bewertet — etwa doppelt so hoch wie 2024. Zum Vergleich: IonQ, die populärste Quantenaktie, liegt bei rund 18 Mrd. $.

Die Bilanz ist aufgeräumt

Alte Lasten wurden abgearbeitet, etwa bei Asbest und der früheren Abspaltung von Resideo. Das vereinfacht die Geschichte und setzt künftige Zahlungsströme frei.

Die Zahlen und der nächste Termin

Quartalszahlen von Honeywell Aerospace
Im zweiten Quartal wurden 1,87 $ je Aktie berichtet, erwartet waren 2,12 $ — eine Verfehlung von 11,8 %. Genau das hat den Kurs gedrückt. Die Margenschwäche kommt aus der Eingliederung eines Zukaufs; das Management sieht sie als vorübergehend.

28. Oktober 2026

Der nächste Quartalsbericht. Erwartet werden 1,90 $ je Aktie bei 4,59 Mrd. $ Umsatz. Dann zeigt sich, ob die Margenschwäche wirklich vorübergehend war.

Was ich für die Aktie halte

Mit einem 21-fachen Gewinn ist Honeywell historisch nicht billig, aber der Vergleich hinkt wegen der vielen Zu- und Abgänge. In den letzten fünf Jahren lag der Boden beim 18-fachen — nach unten ist der Spielraum damit klein, nach oben durch die Abspaltungen groß.

Aussagekräftiger ist die Summe der Einzelteile: jede künftige Firma für sich bewerten und addieren. Das ergibt bei mir im Basisszenario rund 50 % Luft nach oben, also Chance zu Risiko etwa 3 zu 1. Die Quantensparte kommt als Möglichkeit obendrauf.

Was schiefgehen kann

Die Aufspaltung selbst

Mehrere Sparten in kurzer Zeit abzuspalten ist nicht trivial. Das Projekt kann an der Umsetzung scheitern.

Gebundene Kräfte

Der Umbau bindet Managementkapazität, die dem Tagesgeschäft fehlt — genau dann, wenn es liefern müsste.

Wechsel an der Spitze

Neuer Finanzchef, neue Leitung der Industrieautomatisierung. Ideal ist das nicht.

Die Lieferkette

Die Prognose wurde gesenkt, weil die Lieferkette nicht nachkommt. Löst sich das nicht, bleibt die Marge unter Druck.

Wie ich damit umgehe

Weil die Aktie für eine Trendaussage noch zu jung ist, kaufe ich hier bewusst früh und in die Schwäche hinein, statt auf ein Signal zu warten. Das ist eine Entscheidung mit offenen Augen: Es kann noch tiefer gehen.

Anders als bei einem spekulativen Wert arbeite ich nicht mit einem engen Stop. Es ist ein etabliertes Unternehmen mit laufendem Geschäft und über 39 Milliarden Auftragsbestand — keine Wette, die über Nacht wertlos wird. Dafür gehört die Position entsprechend dimensioniert, und ein bis zwei Jahre Geduld muss man mitbringen.

Seli
Liebe Grüße,
Seli
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